Wie ich einem verunglückten Eichhörnchen das Leben rette

Es war am letzen Donnerstag. Ich saß am Küchentisch und war mit Schreibkram beschäftigt. Die Sonne schien, und ich wollte schnell fertig werden mit meiner Arbeit, um den milden Frühlingstag draußen zu genießen. Plötzlich ein dumpfer Schlag – gegen unser Küchenfenster… ein junges Eichhörnchen war beim Klettern und Springen gegen unsere Scheibe gedonnert.

Das kleine Wesen lag da, zitternd und mit blutendem Näschen…

Mein spontaner Gedanke war: sofort hinlaufen – erste Hilfe leisten – streicheln… aber Halt!

Darf man Eichhörnchen überhaupt anfassen? Was ist, wenn die Mutter wiederkommt, und es nicht mehr annimmt, wenn es von einem Menschen berührt  worden ist?

Während ich im Internet danach suche, kommt die Eichhörnchen-Mutter zu ihrem verunglückten Kind. Spätestens als ich sehe, wie rührselig und gleichzeitig verzweifelt sie sich ihrem Jungen annimmt, es mit den Pfötchen abtastet, das Blut ableckt, ist es um mich geschehen:

Hilfe muss her – aber wie? Soll ich einen Tierarzt anrufen?

Über Google treffe ich auf die Internetseite des Eichhörnchen-Notrufs. Neben einer zentralen Telefonnummer gibt es hier eine Liste mit den 10 wichtigsten Schritten, die zu tun sind, wenn man ein verletztes Eichhörnchen findet – egal ob es sich um ein Eichhörnchen-Junges oder ein ausgewachsenes Tier handelt.

Immer noch liegt das verletzte Tier schwach atmend und zitternd auf dem Steinboden in unserem Garten. Von der Mutter keine Spur mehr. Ich wähle die Nummer des Eichhörnchen-Notrufs und werde mit einer sehr freundlichen Dame in Bonn verbunden, die mir kompetent alle wichtigen Infos gibt:

  • Entgegen der landläufigen Meinung darf man Eichhörnchen berühren. Die Mutter würde das Junge dadurch nicht abweisen.
  • Dennoch sollte man sich mit Handschuhen dabei schützen – Eichhörnchen-Zähne sind scharf.
  • Es ist damit zu rechnen, dass die Eichhörnchen-Mutter das Junge zurücklässt, wenn es keine Überlebenschance mehr sieht für das Kind. In diesem Fall ist das Junge definitiv auf fremde Hilfe angewiesen und ist natürlichen Feinden (großen Vögeln, Hunde, Katzen) schutzlos ausgeliefert.

Eichhörnchen im Schuhkarton

Über die Notruf-Hotline erhalte ich eine Telefonnummer in Hamburg. Von der Eichhörnchen-Ambulanz, die sich im Franziskus-Tierheim befindet. Ich erfahre, wie ich das Eichhörnchen anfassen und transportieren kann: nämlich in keinem Fall mit einem Frottiertuch, weil sich die Krallen darin verhaken und das Tier sich noch stärker verletzen könnte. Und: Warmhalten ist wichtig.

Mit dem kleinen Patienten im Schuhkarton auf dem Beifahrersitz machen wir uns auf den Weg zur Eichhörnchen-Ambulanz.

Inzwischen macht das Tier einen etwas agileren Eindruck, scharrt mit den Krallen und macht leise Geräusche. Ein freundlicher Mitarbeiter des Tierheims nimmt uns in Empfang und wirft einen ersten Blick auf das Tier. Wir erfahren, dass das Jungtier nach der Untersuchung und Behandlung in den kommenden Tagen mit Milch versorgt werden wird und sich in einem Gehege wieder langsam erholen wird. Danach ist die Auswilderung geplant.

Besonders meine Kinder haben das kleine Eichhörnchen ins Herz geschlossen und es „TRIX“ genannt.

Schade, dass TRIX nicht als Haustier bei uns einziehen kann. Da hätten wir bestimmt Spaß zusammen.

Ich möchte jedem ans Herz legen, sich mit dem Eichhörnchen-Notruf in Verbindung zu setzen. Ich habe mich sehr gut informiert gefühlt und alle Tipps bekommen, um zu helfen.

Habt Ihr schon mal ein verletztes Eichhörnchen gefunden?

 

About Kerstin Hoppenworth

Ich bin Business Devolpment Managerin und lebe mit meiner Familie mitten in der City von Hamburg. Unser Haus ist von einem wunderschönen Garten mit vielen Blumen umgeben. Um Obst und Gemüse zu ernten, fahren wir oft zu Oma und Opa aufs Land helfen gerne mit bei der Gartenarbeit. Besonders beliebt bei unseren Kindern ist die Erdbeerzeit.

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