Wein selbst herstellen – Traut euch!

In fast jedem schnulzigen Film spielt Wein eine dekorative Nebenrolle. Da schickt der Gutsbesitzer nach einem guten Jahrgang aus seinem Weinkeller oder der Winzer schlendert über die Weinberge mit bombastischer Aussicht. Aber nun Schluss mit Romantik – Weinliebhaber und DIY-Fans aufgepasst! Wein selbst zu herstellen ist weniger romantisch als ein Stück weit Arbeit. Aber Arbeit die sich durchaus lohnt.
Gleich vorweg, dieser Blogbeitrag bietet keine haarklein detaillierte Anleitung zur Weinherstellung. Er soll vielmehr dazu ermutigen den Schritt zu wagen, seinen eigenen Wein herzustellen und eine Übersicht über die Arbeitsschritte und Materialien geben.

Was ihr dafür braucht:

Dank Internet und Kleinanzeigen ist es kein großer Akt an das passende Equipment zu gelangen. Für Sparfüchse und Bastelfans gibt es zahlreiche kostenlose Anleitungen dazu, wie man kostengünstig an Materialien kommt oder Haushaltsgegenstände zweckentfremden kann.

#1 Rezept, Ruhe, Geduld und Ausstattung

Das Wort Rezept klingt mehr nach einem Kuchen, aber auch für die Weinherstellung gibt es Rezepte. In diesen Anleitungen findet man die passenden Mengenangaben für das Wunschobst und seine persönlichen Ansprüche. Wer sich an die Mengenverhältnisse mit Ruhe, Geduld und der richtigen Ausstattung für seine Zwecke hält, der kommt auch ans Ziel. Je nach Menge, Gärmethode und Fruchtsorte kann die Weinherstellung von ein paar Wochen über Monate reichen. Die meiste Arbeit hat man am Anfang, danach wartet man hauptsächlich und kontrolliert den Stand der Dinge.
Fachliteratur bietet digital sowie in Buchform, genauso Hilfestellungen wie Videos und Blogs im Internet.

#2 Trauben, Beeren, Kernobst oder Steinobst?

Man kann aus fast jedem Obst Wein herstellen, die Frage ist oft nur, wie effizient und sinnvoll das Ganze für die Eigenherstellung ist.
Egal für was ihr euch entscheidet, ihr solltet für euren eigenen Wein nur reife und unversehrte Früchte verwenden, niemals angefaultes Obst. Stiele, Steine und Kerngehäuse müssen sorgfältig entfernt werden nachdem du die Früchte gut gesäubert und abgetrocknet hast.
Viele Saftpressereien bei denen du deine eigenen Früchte zu Saft verarbeiten lassen kannst, bieten auch die Abgabe von Most an. Most ist frisch gepresster Saft der noch nicht erhitzt oder in anderer Weise konserviert wurde. Diesen Most verwendet man zur Saftgärung. Eine andere Variante ist die Maischegärung. Hierbei werden die ganzen Früchte verwendet, die zerkleinert oder püriert wurden.
Da die Fruchtrückstände aber irgendwann auch wieder von der Flüssigkeit getrennt werden müssen braucht ihr bei der Maischegärung für diesen Vorgang noch einen Presssack.

DIY Tutorial - Wein selbst herstellen

#3 Gärgefäße

Ein Gärgefäß kann ein Weinballon aus Glas sein, der extra für die Weinherstellung konzipiert wurde, oder auch ein entsprechendes Kunststoffgefäß in Eimerform. Wassergallonen aus Trinkwasserspendern lassen sich gut Zweckentfremden, wichtig ist das das Gefäß dicht ist und sich gut reinigen lässt. 25 Liter Fassungsvermögen sind ein gutes Maß, denn die Gefäße müssen sich von euch noch problemlos bewegen lassen. Für einen ersten Versuch eignet sich aber auch ein 5 Liter Gärgefäß allemal.

#4 Gärröhrchen

Euer Gärgefäß muss sich mit einem Gärverschluss, häufig „Gärrohrchen“ genannt, verschließen lassen. Während der Weingärung entstehen Gase, diese müssen gezielt entweichen können um den Behälter nicht zum Platzen zu bringen. Ein richtig verwendeter Gärverschluss verhindert zudem, dass Essigfliegen oder Luft in den Behälter gelangen.

#5 Süße, Säure, Hefe…

Zucker braucht man nicht nur für Marmelade, sondern auch für Wein. Hefe wandelt diesen Zucker in Alkohol um. Hier ist es besonders wichtig das ihr euch an das richtige Verhältnis von Zucker und Hefe zueinander haltet, daher das empfohlene Rezept. Bitte auf keinen Fall Backhefe sondern ausschließlich Hefe verwenden die für die Weinherstellung gedacht ist.
Einige Obstsorten haben nicht genug eigene Säure, bei Weintrauben ist dies meist nicht der Fall. Um die Gärung bei säurearmen Obst in Gang zu bekommen wird Zitronensäure oder Milchsäure hinzugefügt. Bei zu saurem Obst muss der Säuregehalt gedämpft werden, dafür wird spezieller Kalk hinzugegeben

#6 Weinheber und Filter

Die Schwebstoffe in deinem Wein setzen sich während des Gärprozesses ganz natürlich am Boden des Gärgefäßes ab. Mit einem Schlauch, dem sogenannten Weinheber zieht ihr den klaren Teil aus dem Gefäß. Die trübe Schicht am Boden kann getrost weggeschüttet werden. Mitunter sind mehrere Durchgänge des Absetzens erforderlich um den Wein so klar wie gewünscht zu erhalten.
Alternativ gibt es auch spezielle Filter die das Ganze beschleunigen.

DIY Tutorial - Wein selbst herstellen

#7 Vinometer

Um den Alkoholgehalt eures Weines zu bestimmen braucht ihr ein sogenanntes Vinometer.

#8 Flaschenabfüllung und Korken

Wer selbst gerne Wein trinkt oder viele Weintrinker kennt, der kommt durch einfaches Sammeln gut und günstig an Flaschen für den eigenen Wein.
Wichtig ist hierbei die Reinigung ohne Spülmittel oder sonstige chemische Rückstände.
Bei den Korken habt ihr die Wahl zwischen natürlichen Weinkorken oder Kunststoffkorken. In jedem Fall sollten sie unversehrt sein um eure Flaschen einwandfrei abzudichten.
Für die Verkorkung empfiehlt sich eine Verkorkungsmaschine, auch Tischverkorker genannt. Für die Abfüllung gibt es diverse Hilfsmittel, manche lohnen sich in der Anschaffung aber erst ab einer größeren Menge.
Auch wenn es den Liebhabern von Naturprodukten wiederstrebt, der Wein braucht eine Konservierung um länger gelagert werden zu können. Hierfür wird meist Kaliumpyrosulfit verwendet.

#9 Lagerung

Eure Weinflaschen brauchen einen kühlen und gleichzeitig trockenen Ort um gelagert zu werden. Bei Naturkorken vorzugsweise im Liegen.
Vielleicht entdecken einige von euch mit der Weinherstellung ja ein neues Hobby, oder macht ihr sogar schon jetzt Wein aus dem eigenen Garten?
Wer sich weniger für die Weinherstellung als für die Pflanzung von Weinreben interessiert, der wird hier im Bakkershop fündig.

About Daniel

Die Beiträge entstehen in Zusammenarbeit mit meiner Freundin. Beide auf einem Hof aufgewachsen genießen wir nun zusammen das Landleben mit all seinen Vorzügen. Von Feld- und Waldspaziergängen, über einen großen Garten, bis zur Gesellschaft von Hühnern und Schafen. Ein Garten kann so vieles sein, Paradies, Oase, Urwald, Arbeit, Erholung, Experimentierkasten...

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